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9. Die Tempel von Angkor Wat

Erster Tag in Siem Reap 

 

Nach der ersten Nacht in der "OK 1 Villa", in der wir sogar mal etwas ausgeschlafen haben, schauten wir mal beim Frühstück vorbei. Es war 9:30 Uhr und das Buffet war relativ leer gefegt. Etwas Süßkartoffelpüree, etwas Obst, gebratener Reis, paar gebratene Würschtchen mit Zwiebeln und ein paar angetrocknete Weißbrotscheiben waren noch da. Später gab es noch ein paar "Arme Ritter". Besser als gar nichts. Dazu gab es den Kaffee mit dem Kakaoaroma, den es scheinbar nur in Kambodscha und Vietnam gibt. Im Zimmer hatten wir sogar zwei Safes, in denen ich endlich mal einiges an Zubehör und das Netbook, sowie Ladegeräte etc. unterbringen konnte. Bisher habe ich das Ganze Zeug (7kg) meist mit rumgeschleppt aus Angst, jemand könnte es mopsen. An sich habe ich Vertrauen in die Leute aber Gelegenheit macht Diebe. Da nur einer der beiden Safes am Ende funktionierte, musste ich zwar etwas quetschen, aber alles war "sicher" untergebracht. Gegen 11:00 Uhr stand pünktlich unser Tuk Tuk Fahrer "Tschika", bereit um uns zu den Tempeln von Angkor zu bringen. Er hatte uns abends zuvor vom Markt zum Hotel gefahren und machte einen guten Eindruck. Zuvorkommend aber zurückhaltend, sprach Englisch und machte uns einen guten Preis. Für 15$ wollte er mit uns die kleine Tempel-Tour machen. Das war gut und wir einigten uns auf den Preis. Bevor man das Areal der Tempelanlage betreten darf, muss man ein Ticket kaufen, welches es nur an offiziellen Stellen gibt.

  • 1-Tag Pass – US$ 37;
  • 3-Tage Pass – US$ 62;
  • 7-Tage Pass – US$ 72;
Am Schalter wird ein Foto geschossen und persönliche Daten aufgenommen und zwei Minuten später hat man auch schon den Pass mit Foto und Daten drauf. Es gibt zwischendurch immer wieder Kontrollpunkte an denen man das Ticket vorzeigen muss. Dann fuhren wir endlich in das Areal und als erstes kam der größte von allen Tempeln dran: "Angkor Wat". Der Tempel zeichnet sich unter Anderem durch die vier Spitzen an jeder Ecke und eine große Spitze in der Mitte aus, die über alles in der Umgebung hinausragen, da er einfach so groß ist. Da es nun Mittags war und die Sonne senkrecht am Himmel stand, war die Hitze kaum auszuhalten. Zum Glück habe ich mir am Vorabend schon mal einige weiße Baumwollhemden gekauft und einen Hut aus Kuala Lumpur. Beides zusammen bot ausreichend Schutz vor der Sonne. Stef hat sich kurz zuvor ebenfalls ein weißes Oberteil geholt, was außerdem ihre Schultern bedeckt. Die Tempelanlagen entspringen dem Buddhistischen Glauben und daher ist es Pflicht, dass die Schultern und Knie bedeckt sind, beim Betreten. Auch wenn ich die Tempel bereits 2013 einmal besucht habe, so war ich abermals fasziniert von dieser Größe und dennoch filigranen Handarbeit. Viele der Steine sind mit feinen Mustern verziert, die wohl mit hoher Sicherheit mehrere Jahre in Anspruch genommen hat. An einigen Wänden sind ganze Geschichten bildhaft dargestellt, mit Pferden, Elefanten, Wägen oder Figuren, so dass die Geschichte der Tempel auf ewig in Stein gemeißelt sind. Viele der Mauern müssen aufgrund der vielen Touristen bereits geschützt werden, da diese Spuren hinterlassen. Einige Stufen sind bereits so rundgelaufen, dass sie nicht mehr begehbar sind. Viele Tempelanlagen sind bereits teilweise eingestürzt oder einsturzgefährdet aufgrund von Erosion durch die Witterung oder auch Bäume, die in einigen Tempeln auf den Steinen oder zwischendurch wachsen. Die Tempel waren bereits Hintergundkulisse für Tomb Raider aufgrund der einzigartigen Wucherungen der Bäume in den Tempelanlagen und bescheren auch deswegen immer noch viele Touristen. Langsam machte sich die Hitze der letzten Tage bemerkbar. Also beschlossen wir, für den Tag noch einen Tempel anzuschauen und uns dann zurück ins Hotel fahren zu lassen von Tschika. Er schaute uns an, konnte das überhaupt nicht verstehen. Wir vermuten, dass ein Abbruch der von ihm geplanten Tour für ihn bedeutet, dass wir nicht zufrieden sind mit ihm, was keinesfalls stimmte. Diese Geduld und Freundlichkeit, die er uns entgegenbrachte, ist einfach so beneidenswert und wir fühlten uns tatsächlich fast schlecht, wie wir ihm sowas antun können. Wir sagten ihm, dass wir sehr zufrieden sind und er sein Geld auf jeden Fall bekommt. Das stimmte ihn etwas besser und er fuhr extra langsam an den anderen Tempeln vorbei, damit ich noch ein paar Bilder so schießen konnte. 

Alles Safe!? 

 

Es war bereits ca. 15:30 Uhr als wir wieder im Hotel ankamen und wir waren echt durch. Zwischendurch handelten wir mit Tschika noch den nächsten Tag aus und er nannte von sich aus den Preis von 20$ für den ganzen Tag. Das hieß, dass er uns um 5:00 Uhr morgens abholen sollte und mit uns die Tempel abfahren würde. Er freute sich, dass wir ihn wieder engagierten und grinste über beide Ohren. Im Hotel angekommen, freuten wir uns auf ein paar entspannte Stunden am Pool. Als wir unser Zimmer aufschließen wollten, war dieses bereits offen, obwohl wir morgens beide geprüft hatten, ob die Tür auch wirklich verschlossen war.  Die Zimmerreinigung war auf jeden Fall im Zimmer und hatte vielleicht vergessen abzuschließen. Mein erster Blick in den Kleiderschrank, in dem die beiden Safes übereinander standen, ließ es mir eiskalt den Rücken herunterlaufen. Der obere Safe, in dem ich alle meine Dinge verstaut hatte, war augenscheinlich weg. Ja weg. Zimmertür offen und Safe weg. Kann das wirklich sein? Bei dem unteren Safe war wohl die Batterie alle und man konnte keinen Zahlencode eingeben, allerdings war genau der im Schrank befestigt. Der Safe in dem ich die Sachen hinterlegt hatte, lag lediglich oben drauf und ließ sich mit wenig Mühe unter den Arm klemmen. Ihr hättet mein Gesicht sehen sollen. Laptop, zwei Objektive, verschiedene Filter, einige Akkus, Ladegräte für Kameras, Handy etc, Stefs Portemonnaie mit Führerschein und allerhand anderes Zeug weg? Ruckizucki gingen wir zur Rezeption und erklärten die Sachlage. Die beiden Jungs an der Rezeption reagierten in Kambodschanischer Gelassenheit und funkten erstmal die Zimmerdamen an. Da fiel uns im Bereich der Rezption ein Safe auf, der auf dem Boden stand und ich fragte, ob ich mal probieren könnte ihn zu öffnen. "Yes Sir, please tly" ...ich gab den Zahlencode ein aber nichts passiert. Er war schon offen und leer. Mist. Einer der beiden meinte, er lässt es prüfen und ob wir nochmal mit hochkommen zum schauen. Verstanden haben wir das nicht aber klar muss er sich das nochmal anschauen und wir gingen hoch. In der ganzen Panik haben wir aber nicht einmal probiert den Safe, der ja noch im Zimmer war, auszuprobieren. Das taten wir dann. Und siehe da, der Code funktionierte in dem Safe, der noch da stand, und alle Sachen waren drin. Echt doofe Situation aber ganz ehrlich, Zimmer offen und Safe weg, wie reagiert man da. Uns war es peinlich aber irgendwie war es sehr suspekt. Ich bin der festen Überzeugung, das ein Hotel wie dieses auf Sicherheit achtet und wir uns keine Sorgen machen brauchten aber dennoch war es ein komisches Gefühl und wir achteten einfach etwas mehr auf unsere Sachen ohne jemandem Vorwürfe zu machen. Alles gut und alle waren glücklich, auch die beiden an der Rezeption. Danach versuchten wir uns am Pool etwas zu entspannen und ja, das haben wir dann auch. 

Pub Street / Night Market

 

Am Abend dann gingen wir in die "Pub Street", welche wir am Abend zuvor noch umgangen haben. Vorher gab es noch etwas zu essen in einem Restaurant an der Ecke bei unserem Hotel. Das Essen in Singapur und Malaysia hatte uns ja nicht so überzeugt aber schon bei der Auswahl der Speisen auf der kleinen Karte waren wir ziemlich sicher, dass dies ausgewogene Speisen mit guter Qualität sind, wie ich sie auch schon vor sechs bzw. sieben Jahren aus Kambodscha kannte. Und ja, es war ein wahrer Gaumenschmaus, mit frischem Gemüse, gut duftendem Reis, zartem Fleisch und sogar knackig frischer Garnitur am Tellerrand. Dazu ein frischer Passion fruit juice und ein Lemon ice tea. Alles zusammen kostete 5 $ und das sollte nicht der letzte Besuch gewesen sein. Als wir gingen, haben wir sogar noch eine Mango umsonst mitnehmen dürfen. Diese ist nämlich, während wir aßen, am Nachbartisch mit einem lauten Knall heruntergefallen. Alles Gute kommt von oben. Frischer geht es nicht. :) In der Pub Street schlenderten wir noch etwas umher und tranken ein paar Kaltgetränke. Dann kamen wir zu einem richtigen Supermarkt, die es mittlerweile tatsächlich in Siem Reap gibt. Als ich vor sechs Jahren in Siem Reap war, gab es sowas noch nicht. Es gab kleine Kaufläden ohne Registrierkassen oder Märkte. Während man in diesen Läden meistens einen Dollar oder auch mehr für eine Flasche Wasser 1,5l bezahlt, kostet sie in dem Supermarkt nur 65 cent. Auch viele andere Waren, sind um bis zu 30% günstiger als auf den Märkten. Das ließ uns die Verhandlungen auf dem Markt ganz anders gestalten. Nicht, dass wir das Geld den Verkäufern nicht gönnen würden, was schadet es uns, einen Dollar mehr zu bezahlen. Aber die gewünschten Preise liegen meist weit entfernt vom tatsächlichen Wert der Waren. Wie schon einmal erwähnt, wer nicht handelt, wird beschissen. Leider haben wir gesehen, dass Obst, wie Bananen oder Orangen, in Folie verpackt werden. Und das, wo es in Kambodscha eh schon ein Müllproblem gibt und keiner weiß wo der Müll landet, wenn er nicht verbrannt wird oder offensichtlich am Straßenrand liegt. Sogar Zwiebeln und Knoblauch werden geschält und in Folie verpackt. Gegen 1:00 Uhr nachts war für uns der Tag zu ende und wir hatten noch ca. 3,5h Schlaf.


Der frühe Vogel schläft noch.

  

Um 4:30 Uhr klingelt bei unser Wecker, damit wir den Sonnenaufgang über Angkor Wat beobachten konnten. Um 5:00 Uhr stand Tschika vor unserem Hotel und holte uns ab. Es sollte zum Tempel "Phnom Bakeng" gehen, der relative weit oben auf einer Erhebung steht und man somit freie Sicht auf alle anderen Tempel hat. Der Weg nach oben war unbeleuchtet und wir hatten lediglich unser Handy als Licht. War ein bißchen wie eine Nachtwanderung bei der es auch überall im Wald knistert und knackt. Oben angekommen, saßen nur wenige Touristen dort und erwarteten den Sonnenaufgang. Dieser Tempel wird an sich nur angeboten, wenn man nachfragt, da alle anderen immer zum Tempel "Angkor Wat" gefahren werden für den Sonnenaufgang. Der Klang des Urwaldes und der Blick in die Morgendämmerung waren echt beeindruckend. In der Regel versinkt die Sonne hier im Sumpf und so geht sie dann auch wieder auf. Das erste mal zum Vorschein kam die Sonne als roter Feuerball dann erst ca. 25 min nachdem Sie aufgegangen war. Da waren die meisten Touris bereits weg und es war etwas ruhiger geworden. Es war eine schöne Stimmung aber das frühe Aufstehen war es irgendwie nicht wert. Gegen 7:00 Uhr traten wir den Rückweg an. Der Weg nach unten war gesäumt von Spinnen deren Netze in der Sonne glänzten. Da verlässt man ungern den Weg. Im Anschluss fuhren wir noch  die Tempelanlage "Angkor Thom" und den dazugehörigen "Bayon" an, welcher wohl der imposanteste aufgrund der detaillierten und mit vielen kleinen Spitzen und Gesichtern verziert ist. Dann ging es weiter zum "Takeo" und Preah Khan, Neak Pean und Ta Som. Mittlerweile war es dann schon 10:30 Uhr und wir hatten einen Bärenhunger. An sich hatten wir genug gesehen, Hunger und die Temperaturen stiegen allmählich. Also mussten wir dies nur irgendwie Tschika beibringen aber der sagte einfach nur "OK" und fuhr uns zurück ins Hotel. Natürlich fuhr er an den Tempeln, die auf Weg zurück zu sehen waren, langsam. Wir engagierten ihn gleich für die Fahrt zum Flughafen am Folgetag für vier Dollar. Er freute sich und wir auch. Wir gingen wieder in das Restaurant "Noodles Corner" und es war wieder saulecker. 

Nudelsuppe mit Pork
Nudelsuppe mit Pork

Nach dem Essen haben wir es gerade nach oben aufs Dach zum Pool geschafft, wo wir erstmal einige Stunden unter dem Schirm schliefen. Wir haben ordentlich Farbe bekommen und haben uns teilweise etwas verbrannt. Am Nachmittag hatten wir erstmal Stromausfall, was keine Seltenheit ist. Ich kann mich entsinnen, als ich vor sieben Jahren das erste Mal dort war, hatte wir die ganze Zeit keinen Strom in der ganzen Stadt. Ein Autofahrer hatte wohl einen Strommast für die Hauptversorgung umgefahren. Unser damaliger Besitzer des Gästehauses, in dem wir wohnten, meinte dass der Fahrer mit hoher Wahrscheinlichkeit erhängt oder erschlagen wurde deswegen. Denn die ganze Stadt lebt einzig und allein vom Tourismus und wenn es keinen Strom gibt, kommt keiner mehr. Die Reparatur hat wohl drei Wochen gedauert. Durch den Stromausfall heute, hatte unser kleines Restaurant an der Ecke leider geschlossen, also fuhren wir mit dem Tuk Tuk für zwei Dollar zur Pub Street. Etwas gegessen und zwei Bier und die Welt war wieder in Ordnung. Wir besorgten uns den weltbekannten Kampot Pfeffer, Kaffee mit Kakaoaroma und Whisky. Um 0:00 Uhr ca. waren wir wieder auf dem Zimmer und packten unsere Sachen, da wir morgens um 7:00 Uhr abgeholt wurden um zum Flughafen zu fahren. Es ging ja schließlich weiter nach Bangkok. Abends gab es dann wieder Stromausfall. Ich hatte lediglich Sorge, dass meine Akkus nicht geladen werden aber ansonsten geht es auch ohne Strom. 

Das war es dann erstmal aus Kambodscha. Weiter geht es dann in Bangkok. Liebe Grüße aus dem Königreich Kambodscha. Stef und Andi

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Kommentare: 1
  • #1

    Uta (Mittwoch, 27 Februar 2019 09:13)

    Finde die Blogs ganz toll und warte scho immer auf den nächsten. Das mit dem Safe hätte mich auch an den Rand eines Herzinfarktes gebracht.
    Viele Grüße